Schimmeltest selbst machen oder ins Labor? Der ehrliche Vergleich
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Ein Schimmeltest-Set aus dem Baumarkt kostet 10 bis 40 Euro und ist in Minuten ausgelegt. Eine Luftprobe mit Laboranalyse kostet ein Vielfaches und braucht eine Pumpe. Warum der Aufwand – und wann ist das günstige Set vielleicht doch genug?
Dieser Beitrag vergleicht die drei üblichen Wege: was jeder Test wirklich beantwortet, wo er Fehler macht, was er kostet und wann Sie welchen brauchen. Auch die Grenzen unserer eigenen Methode stehen hier – einen Test, der alles kann, gibt es nicht.
Kurz gesagt: Petrischalen und Schnelltests zeigen, dass Schimmel da ist – das ist er in kleinen Mengen immer. Ob in Ihrer Luft mehr oder anderes ist als normal, sagt nur eine Luftprobe mit definiertem Volumen, Außenluftvergleich und Auswertung im Labor. Für die erste Neugier reicht das Set. Sobald das Ergebnis etwas entscheiden soll, brauchen Sie das Labor.
Drei Wege zum Schimmeltest
Wer einen Schimmeltest selber machen will, findet im Handel im Wesentlichen drei Wege:
- Petrischale (Sedimentationsplatte). Eine Schale mit Nährboden steht für eine vorgegebene Zeit offen im Raum, wird verschlossen und einige Tage bei Raumtemperatur bebrütet. Was aus der Luft auf den Nährboden gefallen ist, wächst zu sichtbaren Kolonien heran. Das ist das klassische Schimmeltest-Set aus Baumarkt und Versandhandel; manche Anbieter werten die bewachsene Platte gegen Aufpreis im Labor aus.
- Schnelltests, Abklatsch- und Abstrich-Sets ohne Labor. Ein Teststreifen, ein Kontaktobjektträger oder ein Tupfer wird auf die verdächtige Stelle gedrückt. Das Ergebnis ist ein Farbumschlag nach Minuten oder Bewuchs nach einigen Tagen – ein Ja oder Nein für genau diese Stelle.
- Luftprobe mit akkreditierter Laboranalyse. Eine Pumpe zieht eine definierte Luftmenge durch eine Probenkassette, die Sporen bleiben auf einem beschichteten Objektträger haften. Ein akkreditiertes Labor zählt und bestimmt sie unter dem Mikroskop. Die Probenahme können Sie selbst übernehmen, die Auswertung nicht.
Der entscheidende Unterschied ist nicht der Preis, sondern die Frage, die der Test überhaupt beantworten kann.
Was jeder Test wirklich beantwortet
Die Petrischale beantwortet: „Wächst aus dem, was in dieser Zeit auf die Platte gefallen ist, etwas?“ Die Antwort: fast immer ja. Schimmelpilzsporen sind ein normaler Bestandteil der Außenluft und in jeder Innenraumluft vorhanden – so der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts. Wie viele Sporen je Kubikmeter in der Luft sind, ob das mehr ist als draußen und welche Gattungen dahinterstecken, sagt die Platte nicht.
Der Schnelltest oder Abstrich beantwortet: „Ist an dieser Stelle Schimmel?“ Das hilft, wenn Sie einen dunklen Fleck nicht einordnen können. Über die Luft im Raum, versteckte Quellen hinter Schrank oder Tapete und die Gattung sagt er nichts.
Die Luftprobe mit Laboranalyse beantwortet: „Wie viele Sporen welcher Gattung je Kubikmeter sind in diesem Raum – und wie verhält sich das zur Außenluft?“ Das Labor liefert Sporen/m³ je Gattung, den Vergleich innen gegen außen und eine Einstufung der Erhöhung. Genau dieser Vergleich ist die Grundlage jeder fachlichen Bewertung, denn einen gesetzlichen Grenzwert für Schimmelsporen in der Raumluft gibt es nicht.
Typische Fehlerquellen bei Selbsttests
Der UBA-Leitfaden führt Sedimentationsplatten ausdrücklich unter den nicht empfohlenen Messverfahren: Sie liefern keine reproduzierbaren Ergebnisse. Die Gründe:
- Kein definiertes Luftvolumen. Auf eine offene Platte fällt, was zufällig absinkt. Große, schwere Sporen landen schnell, kleine und leichte – gerade die typischen Innenraumgattungen wie Aspergillus und Penicillium – bleiben lange in der Schwebe. Zugluft, Standhöhe und Bewegung im Raum verändern das Ergebnis.
- Keine Referenzwerte. Zwölf Kolonien – ist das viel? Ohne Bezug auf ein Luftvolumen lässt sich die Zahl mit nichts vergleichen. Bewertungstabellen im Set sind Herstellerangaben, keine anerkannte Regel der Technik.
- Keine Außenluftreferenz. Im Sommer ist die Außenluft voller Sporen. Eine Platte neben dem gekippten Fenster zeigt vor allem den Garten.
- Wachstum auf der Platte ist kein Befall im Raum. Der Nährboden bevorzugt schnell wachsende Arten, andere wachsen darauf gar nicht. Abgestorbene Sporen und Pilzbruchstücke – ebenfalls allergen – tauchen nie auf.
- Schimmel ist überall. Jede Platte wird bewachsen. Die Frage ist nie „Gibt es Schimmel?“, sondern „Gibt es mehr oder anderes als normal – und warum?“
Für Schnelltests gilt Ähnliches: Biochemische und molekularbiologische Schnellverfahren gelten laut Leitfaden als noch nicht ausreichend validiert, Abklatschproben für Innenräume ebenfalls als nicht empfohlen. Und ohne Ortsbegehung durch Fachleute ist laut UBA eine fachgerechte Beurteilung eines Schimmelbefalls grundsätzlich nicht möglich – das gilt für jeden Selbsttest, auch für unseren.
Kosten und Zeit im Vergleich
Die Preise liegen weit auseinander – die Aussagekraft auch. Rechnen Sie bei der Luftprobe mit mindestens zwei Proben: eine im fraglichen Raum, eine Außenluftprobe – ohne sie kann das Labor nicht bewerten.
| Verfahren | Kosten | Zeit bis zum Ergebnis | Was Sie erhalten |
|---|---|---|---|
| Petrischale (Sedimentation) | ca. 10–40 € | einige Tage Bebrütung zu Hause | Kolonien auf der Platte; keine Konzentration, kein Außenluftvergleich |
| Abstrich- oder Schnelltest ohne Labor | ca. 10–40 € | Minuten bis wenige Tage | Ja/Nein für eine sichtbare Stelle; keine Gattung, keine Aussage zur Luft |
| Luftprobe + akkreditiertes Labor (AirTrap XL) | ab rund 60 € je Probe inkl. Auswertung; Starter-Komplettset mit Pumpe und acht Proben rund 800 € | 5 Minuten je Probe; Bericht innerhalb von 48 Stunden nach Laboreingang, Versand in der Regel wenige Tage | Sporen/m³ je Gattung, Vergleich mit der Außenluft, Einstufung der Erhöhung, Bilder vom Objektträger |
Ein Vor-Ort-Termin mit einer sachverständigen Person kommt bei Bedarf hinzu.
Wann reicht der Selbsttest – und wann muss es das Labor sein?
Ehrlich gesagt: Oft brauchen Sie gar keinen Test. Sehen Sie den Schimmel, lautet die Frage nicht „ob“, sondern „warum“.
Einen kleinen, oberflächlichen Befall unter etwa einem halben Quadratmeter mit bekannter Ursache können Sie laut Umweltbundesamt in der Regel selbst beseitigen – sofern Sie nicht unter Allergien oder Atemwegserkrankungen leiden.
Ein Selbsttest reicht, wenn Sie einen sichtbaren Fleck einordnen wollen (Schimmel oder Schmutz?) und die Antwort keine Folgen hat – oder wenn Sie einfach neugierig sind und die Grenzen der Methode kennen.
Ein Labortest ist nötig, sobald das Ergebnis etwas entscheiden soll:
- Beweissicherung. Gegenüber Vermieter, Hausverwaltung, Versicherung oder Gericht zählt eine dokumentierte Probenahme mit definiertem Verfahren, Außenluftreferenz und Laborbericht – eine bewachsene Petrischale hat keinen Beweiswert. Wie Sie als Mieter vorgehen, steht unter Mieterrechte und Beweissicherung bei Schimmel; bei rechtlichen Schritten helfen Mieterverein oder Rechtsanwalt.
- Gesundheitliche Beschwerden. Reizungen der Atemwege, die zu Hause stärker sind als anderswo, gehören in die Arztpraxis. Eine Luftprobe gibt dem Gespräch eine Grundlage – eine Diagnose ist sie nicht.
- Freimessung nach der Sanierung. Ob die Sanierung gelungen ist, sieht man der gestrichenen Wand nicht an – die Freimessung vergleicht Innenluft, Außenluft und einen nicht betroffenen Raum.
- Versteckter Schimmel. Muffiger Geruch, aber nichts zu sehen: Erhöhte Werte typischer Feuchteindikatoren in der Luft weisen auf eine Quelle hinter Verkleidung, Estrich oder Tapete.
- Kauf oder Verkauf einer Immobilie. Ein dokumentierter Ist-Zustand vor der Übergabe erspart später den Streit.
So funktioniert der Schimmeltest mit AirTrap
AirTrap ist der dritte Weg: Die Probenahme machen Sie selbst, die Auswertung übernimmt das akkreditierte Labor. Im Komplettset sind Pumpe, acht Kassetten mit Auswertung und der frankierte Rückumschlag enthalten.
- Pumpe in Raummitte aufstellen, AirTrap XL Kassette einsetzen, Kappen abnehmen, Timer starten: 15 l/min über 5 Minuten, also 75 Liter. Kappen schließen, Kassette mit Raum und Uhrzeit beschriften. Die Schritte im Detail: Anwendung Schritt für Schritt.
- Am selben Tag eine Außenluftprobe nehmen – gleiche Methode, gleiche Dauer. Ohne sie gibt es keine Bewertung.
- Proben online registrieren und im Rückumschlag einschicken.
- Die Objektträger werden im ISO/IEC 17025-akkreditierten Sporecyte-Labor ausgewertet: KI-gestützte Sporenbestimmung, jedes Ergebnis von einer Fachperson geprüft. Der Bericht kommt innerhalb von 48 Stunden nach Laboreingang per E-Mail. Wie die Auswertung abläuft, beschreibt der Beitrag Laboranalyse; das Lesen der Zahlen erklärt Schimmel-Laborbericht verstehen.
Auch diese Methode hat Grenzen. Die Probe ist eine Momentaufnahme – fünf Minuten an einem Tag, abhängig von Lüftung, Jahreszeit und Wetter. Bestimmt wird bis zur Gattung, nicht bis zur Art: Aspergillus und Penicillium werden gemeinsam ausgewiesen, lebensfähige Sporen werden nicht von abgestorbenen unterschieden.
Und der Bericht ersetzt keine Ortsbegehung: Er zeigt, ob und wie stark die Luft belastet ist – die Ursache findet eine sachkundige Person vor Ort. Den Gesamtablauf zeigt So funktioniert's.
Häufige Fragen zum Schimmeltest
Ist ein Schimmeltest aus dem Baumarkt zuverlässig?
Als Ja/Nein für eine sichtbare Stelle: brauchbar. Als Aussage über die Luft in Ihrer Wohnung: nein. Das Umweltbundesamt empfiehlt Sedimentationsplatten nicht: keine reproduzierbaren Ergebnisse, kein definiertes Luftvolumen, keine Außenluftreferenz – und auf jeder Platte wächst etwas.
Was kostet ein Schimmeltest im Labor?
Selbsttest-Sets kosten 10 bis 40 Euro. Eine Luftprobe mit akkreditierter Auswertung gibt es bei AirTrap ab rund 60 Euro je Probe im Nachfüll-Pack; das Starter-Komplettset mit Pumpe und acht Proben kostet rund 800 Euro. Eine typische Wohnung braucht zwei bis vier Proben inklusive Außenluft.
Kann ich die Luftprobe selbst nehmen?
Ja – genau dafür ist AirTrap gemacht: Sie beproben nach Anleitung, das akkreditierte Labor wertet aus. Wichtig: Außenluftprobe am selben Tag, Fenster einige Stunden vorher geschlossen, jede Kassette beschriftet. Soll das Ergebnis vor Gericht oder gegenüber einer Versicherung bestehen, lassen Sie besser eine unabhängige sachverständige Person messen und dokumentieren.
Wie teste ich mein Haus auf Schimmel, wenn nichts zu sehen ist?
Je verdächtigem Raum eine Luftprobe, dazu eine Außenluftprobe und, wenn möglich, ein nicht betroffener Referenzraum. Zeigt der Bericht in einem Raum deutlich mehr oder andere Gattungen als draußen und im Referenzraum, hat dieser Raum eine Quelle – dann beginnt die Ursachensuche vor Ort.
Gibt es Grenzwerte für Schimmelsporen in der Raumluft?
Nein, weder in Deutschland noch in Großbritannien. Bewertet wird im Vergleich: innen gegen außen, auffällige Gattungen, Referenzräume. Ein Test ohne Außenluftreferenz ist deshalb nicht bewertbar – egal mit welcher Methode.
Komplettsets ansehen So funktioniert's
Geschrieben vom AirTrap-Team. Grundlagen: UBA-Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (2017, aktualisiert 2024), DIN ISO 16000-19 und DIN ISO 16000-20. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung, keine Rechtsberatung und nicht die Bewertung durch eine sachkundige Person.
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